Mitte der 1990er Jahre erlebte die Automobilindustrie einen Aufschwung bei Retro-inspirierten Designs, wobei Marken wie Nissan und Volkswagen klassische Modelle erfolgreich wiederbelebten. Renault wollte sich diesen Trend nicht entgehen lassen. 1996 stellte der französische Autohersteller den Fiftie vor – ein Konzeptauto, das zu Ehren des 50-jährigen Jubiläums des legendären 4CV, eines der ersten französischen Massenmarktautos, entworfen wurde.
Eine moderne Interpretation eines Klassikers
Der Fiftie ließ sich vom bescheidenen 4CV inspirieren und behielt dessen Heckantriebsanordnung und den Heckmotor bei. Doch unter dem Retro-Äußeren verbarg sich etwas Unerwartetes: das Chassis des Renault Sport Spider, eines leichten Sportwagens. Diese Entscheidung war damals sinnvoll, da der Sport Spider bereits über die gewünschte Hinterradantriebskonfiguration verfügte. Das Konzeptauto verwendete einen 1,2-Liter-Motor, der später im Twingo und Clio zu finden war, anstelle des leistungsstärkeren 2,0-Liter-Aggregats des Spider.
Einzigartige Designoptionen
Der Fiftie opferte etwas Praktikabilität zugunsten des Stils und verzichtete auf die hinteren Türen und Sitze des ursprünglichen 4CV. Technisch gesehen handelte es sich um ein Fließheckmodell, das jedoch über ein einzigartiges Faltdach mit abnehmbaren, unter der Heckscheibe verstauten Paneelen verfügte, das an das optionale Stoffverdeck des Originals erinnerte. Der hintere Laderaum war bescheiden und befand sich vor dem Motor.
Einfluss auf zukünftige Modelle
Während der Fiftie nicht direkt die Produktionspalette von Renault inspirierte, fand sein kompliziertes Rücklichtdesign Eingang in den Avantime, einen Minivan im Coupé-Stil, der es unter dem Nissan-Logo fast auf die US-Märkte geschafft hätte. Bemerkenswert waren auch die ungewöhnlichen Proportionen und die Anordnung des Mittelmotors im Heck des Konzeptfahrzeugs.
Leichtbau und Leistung
Der Fiftie verfügte über eine Kohlefaserkarosserie, die auf einem Aluminiumchassis montiert war, das genaue Gewicht gab Renault jedoch nie bekannt. Es wird geschätzt, dass er weniger als 790 Kilogramm wiegt, genau wie der Sport Spider, auf dem er basiert. Trotz dieser Leichtbauweise leistete der Motor nur 60 PS, wodurch er weniger auf Geschwindigkeit als vielmehr auf eine Hommage an den 4CV ausgerichtet war, der als erstes französisches Auto mehr als eine Million Mal verkauft wurde.
Ein nostalgisches Interieur
Der Innenraum setzte das Retro-Thema mit einem mittig angebrachten Kombiinstrument fort, das von bestimmten 4CV-Versionen inspiriert war, und in die Lenkradspeichen integrierten Warnleuchten. Die Sitze waren fest, aber das Lenkrad, die Pedale und sogar das Armaturenbrett waren verstellbar. Rattan-Türverkleidungen und Leinen-/Baumwollpolster rundeten die gemütliche Atmosphäre ab.
Warum es wichtig war
Der Fiftie schaffte es nie in Produktion, wahrscheinlich aufgrund der hohen Kosten für das Untergestell des Sport Spider und die Karbonfaserkarosserie. Renault entschied sich letztendlich dafür, nicht direkt mit den wiederbelebten Käfern und Minis zu konkurrieren. Es war jedoch ein Vorgeschmack auf die spätere Hinwendung des Unternehmens zu Retro-Designs mit den modernen Renault 4 und 5 EVs, die Nostalgie erfolgreich mit moderner Technologie verbinden.
Der Fiftie war eine würdige Hommage an eines der bedeutendsten Autos Frankreichs und verkörperte die Bereitschaft von Renault, mit kühnen, skurrilen Designs zu experimentieren. Auch heute lässt die Marke weiterhin ikonische Namensschilder wieder aufleben und schafft dabei ein Gleichgewicht zwischen der Ehrung der Vergangenheit und dem Blick auf die Zukunft.
























